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Herzlich Willkommen!
Sie wollen mehr über mich und über japanische Kimonos wissen?
Vielleicht als erstes – wie komme ich dazu mit japanischer Seide zu arbeite? Diese Leidenschaft begann vor vielen Jahren, als mir meine Nenntante Seide für einen Kimono aus Japan mitbrachte. Handbemalt, ein Traum! Seit damals bin ich diesen Stoffen, Farben und Mustern verfallen…
„Meinen“ Stoff habe ich dann in ein Kleid für mich verwandelt und dabei einiges gelernt.
1. Japanische Kimonoseide hat nur eine Stoffbreite von ca 38 cm. D.h. ich muss sehr genau überlegen wie ich meine Ideen verwirklich, viele „übliche“ europäische Schnittformen gehen nicht.
2. In einem Kimono sind 12 m Stoff verarbeitet. Bei sehr vielen Kimonos ist das Muster aber auf dem Kimono wie auf einem Gemälde arrangiert, also sind auch auf den 12 m Stoff mal hier und mal da Elemente des Musters. Gar nicht so einfach diese Elemente neu in einem Kleidungsstück nach europäischem Schnitt zusammenzufügen.
3. Die japanische Seide hat eine sagenhafte Qualität! Sie ist unglaublich fein und gleichzeitig fest gewebt. Das merke ich, wenn ich die Seide verarbeite. Ich muss die feinsten Nähmaschinennadeln nehmen und wenn ich z.B. einen Saum von Hand nähe ist es fast Schwerstarbeit das Gewebe zu durchstechen.
4. Die meisten japanischen Seiden hängen sich gut aus, Falten, wenn nicht zu sehr eingepresst, verschwinden von alleine.
5. Japanische Seiden sehen nicht nur exotisch aus, sie riechen auch fremd. Das ist aber nur beim Bügeln zu merken.
6. Japanische Seiden sollten gereinigt und nicht gewaschen werden! Ich habe selber „Versuchsreihen“ gemacht und die Stoffe leiden deutlich, auch bei vorsichtiger Handwäsche.
Und was gibt es jetzt für Unterschiede bei den Kimonos?
Zunächst – die japanische Kimonoentwicklung nahm in der Vergangenheit einen ganz anderen Weg als die Entwicklung der Mode in Europa. In Europa haben sich sowohl eine große Bandbreite an Schnitten (z.B. Röcke: lang, kurz, weit, eng, mit Falten, mit Godets, …) als auch Stoffen und Mustern entwickelt. Der Schnitt eines japanischen Kimonos ist, bis auf die Ärmellänge, im Wesentlichen immer gleich. Von daher haben die japanischen Künstler ihre gesamte kreative Kraft auf die Gestaltung der Stoffe und ihrer Motive auf den Kimonos gelegt. Das geht so weit, dass ein „Insider“ einem Kimono ansehen kann was der soziale Status der Trägerin ist, zu welchem Anlass sie ihn trägt und welche Jahreszeit herrscht.
Und – japanische Kimonos sind mit der Hand (!) genäht.
KIMONOTYPEN
Kimono Furisode – mit langen Ärmeln, sehr prächtig, für junge Frauen zu sehr festlichen Anlässen
Kimono Tomesode – schwarz, mit prächtigen Bildern auf dem „Rockteil“, Wappen auf Rücken und Ärmeln, für verheiratete Frauen zu Hochzeiten im engsten Familienkreis (z.B. Brautmutter)
Kimono Uchikake – prächtigster Kimono für die Braut, durchaus bunt, inzwischen auch aus weißer Brokatseide(dann ein Shiromuku).
Kimono Houmongi – Kimono für verheiratete Frauen zu festlichen Anlässen wie die Teezeremonie oder Hochzeiten von Freunden
Kimono Tsukesage – mit schlichterem Muster überwiegend unterhalb der Taille. Für verheiratete und ledige Frauen.
Kimono Iromuji – einfarbiger, ungemusterter kimono für ledige und verheiratete Frauen, der Stoff kann strukturiert sein.
Kimono Komon – Alltagskimono mit feinem, sich wiederholendem Muster auf dem ganzen Kimono, für verheiratete und ledige Frauen.
OBITYPEN
Kimonos werden durch den Obi ergänzt, der breite „Gürtel“ aus Brokatseide. Auch diese Obis sind sehr prächtig und abhängig vom Ereignis unterschiedlich –
Maru Obi – wird zu Hochzeiten getragen, im Film „Die Geisha“ tragen die Geishas häufig Maru Obis zu den Kimonos. Der Maru Obi hat ein durchgehendes Muster, ist aus edelster Brokatseide und häufig mit Gold verziert. Er war in der Meiji und Taisho Periode besonders beliebt. Heute wird er weniger getragen, da er extrem teuer und schwer ist.
Fukuro Obi – wurde Ende der 1920er entwickelt, besteht zu 60 % der Länge aus kostbarer Brokatseide und wird zu allgemein festlichen und offiziellen Anlässen getragen.
Nagoya Obi – in der Stadt Nagoya entwickelt ist es der „einfachere“ Obi für täglich. Trotzdem sind auch hier wunderbare Seiden und Muster zu finden!
SEIDENTYPEN
Japanische Seide zeichnet sich durch ihre absolut gleichmäßige, glatte und feine Oberfläche aus.
Es gibt u.a.:
Brokatseide
Omeshi Seide
Meisen Seide
Tsumugi Seide
DRUCK – UND FÄRBETECHNIKEN
Shibori – abbinden, zusammennähen oder falten der Seide vor dem Färben. Es entstehen weiche Strukturen. Häufig „Rautenfelder“ mit fast dreidimensionaler Struktur, unglaublich fein.
Yuzen – ein sehr komplizierter Prozess. Sehr vereinfacht: Motive werden auf die Brokatseide gemalt, mit einer dicken Reispaste verdeckt. Dann werden andere Bereiche gefärbt. Wenn alles getrocknet ist wird dieDeckmasse ausgewaschen.
Und falls Sie bis hierher durchgehalten haben:
Ich arbeite von zu Hause aus, was mit 2 Grundschulkindern sehr angenehm ist, manchmal aber auch anstrengend... Wobei vor allem meine Tochter recht interessiert ist, was ich so alles aus den japanischen Stoffen mache. Kommentar:"Wenn ich eine Mami bin nähe ich auch Sachen aus Kimonos!"
Bei schönem Wetter packe ich einfach Nähmaschine und Stoffe auf die Terrasse und arbeite da weiter, was meinem Seelenleben sehr gut tut. Wenn mir dann noch unser Nachbarskater Gesellschaft leistet, ist die Welt in Ordnung!
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